Freitag, 15. Mai 2009

TAG 9

Wie sagte schon der Dichter Antonio Nobre so schön: „Quem nao viu Lisboa, nao viu coisa boa – Wer Lissabon nicht gesehen hat, hat noch nichts Schönes gesehen.“

Für unseren letzten Tag in Portugal hatten wir uns also die Schönheit der alten Viertel von Lissabon aufgespart. Dank der netten Leute im Hotel durften wir unser Gepäck nach dem Checkout noch den ganzen Tag dort lagern, sodass wir uns ohne Koffer im Schlepptau auf den Weg in die City machen konnten. Wir fuhren von unserer U-Bahnstation Campo Pequeno zum Praca do Marques de Pombal, wo das Denkmal des ersten Marquis von Pombal seit 1934 steht.

Nördlich davon gabs den Parque Eduardo VII zu bewundern, den größten Stadtpark Lissabons.


Die Avenida da Liberdade, die Prachtstraße Lissabons – und sie ist wahrlich prächtig – spazierten wir dann bis zu ihrem Anfang, den Praca dos Restauradores. Der Platz dient zur Erinnerung an die Wiederherstellung der Unabhängigkeit im Jahr 1640 nach 60-jähriger Herrschaft durch die Spanier. Ein wirklich nettes Plätzchen, das zum Verweilen einlädt.


Unser Weg führte uns dann weiter zum nächsten Wahrzeichen, dem Elevador de Santa Justa. Dieser 45m hohe Personenaufzug aus dem Jahre 1902 beförderte uns für ein paar läppische Euro vom Stadtteil Baixa nach Chiado und bot uns von oben einen tollen Blick auf die Stadt.
Vorbei am Convento do Campo, das heute das Museu Arqueologico beherbergt, führte uns der Weg zur Rua da Trinidade, wo wir das Azulejo-Haus bewundern konnten.


Hier im sog. Intellektuellenviertel Chiado befinden sich neben zahlreichen Theatern auch wunderschöne Kirchen, wie die Igreja dos Martires und die Igreja do Loreto, die zwar von außen unscheinbar sind, jedoch mit prunkvollem Innenleben auftrumpfen können.


Unsere nächste Station war die Praca do Comercio, für viele der eleganteste Platz Lissabons und einer der schönsten Plätze Europas. Wie das Schicksal so spielt fanden wir die Praca während eines Großumbaus vor, was ihr wohl viel von ihrer Eleganz und Austrahlung kostete.


In den ältesten Stadtteil, die Alfama, ließen wir uns anschließend stilgetreu von der 28er Trambahn chauffieren, durch unglaublich enge Gassen in einem durchaus aufregenden Tempo. Wirklich ein Erlebnis.


Bei der Igreja e Mosteiro Sao Vicento de Fora stiegen wir aus um diese hübsche Kirche mit Kloster (zwar nur von außen, aber immerhin) zu bewundern.



Die nächste Sehenswürdigkeit, das Panteao Nacional, erreichten wir nach einem kurzen Fußweg. In dieser Kirche am Campo de Santa Clara befinden sich (Schein-)Gräber großer Portugiesen, die man besonders hübsch von oben betrachten kann, sofern man den anstrengend Weg über die zahlreichen Stufen nach oben auf sich nimmt.


Die Anstrengung wird aber doppelt belohnt, denn von der Aussichtsterrasse aus hat man einen schönen Blick auf den Tejo und Lisboa.


Weil wir im Aufstieg nun schon geübt waren ging es weiter zum Castelo de Sao Jorge, die auf dem höchsten Hügel der Stadt gelegene Festung mit Burgruine. Eine wahre Freude für uns Festungsmauernerklimmer (seit Obidos waren wir abgehärtet) und Burggrabenüberwinder! :D




Gern hätten wir uns ein wenig zu den Einheimischen gesellt, die sich hier im Burggarten neben den ansässigen Pfauen erholten und die Sonne genossen, aber es gab ja noch soviel zu erkunden! Wie etwa der 360° Panorama-Live-Rundumblick auf Lissabon im Torre de Ulisses dank eines dort installierten riesigen Periskops. Sehr beeindruckend!


Bevor wir die Alfama wieder verließen mussten wir noch der guten alteneinen Besuch abstatten. Diese Kathedrale stammt aus dem 12.Jahrhundert und ist damit in der Tat die älteste und sehr wehrhaft anmutende Kirche Lisboas.


Nach soviel Sightseeing knurrte uns schon ordentlich der Magen, nachdem wir uns im teuersten Eck hier, dem Garten Miradouro de Santa Luzia nichts außer einem schnellen Cola und die netten Klänge, die ein alter Portugiese auf seiner noch älteren Gitarre fabrizierte, leisten wollten machten wir uns auf den Weg zurück zum Chiado, um dort in der Cervejaria Trinidade, einem alten Bräuhaus zu essen, wo man einfach mal essen MUSS, wenn man in Lissabon ist (meinte Herr Müller zumindest). http://www.cervejariatrindade.pt Wirklich ein tolles Ambiente!



Ich sollte nicht unerwähnt lassen, dass wir uns das köstliche Essen wirklich schwer verdient haben, da wir aus Prinzip nicht mehr mit dem Elevador de Justa fahren wollten weil uns der Herr Liftfahrt unseren vorhin schon gekauften Fahrschein für die DOWN-Fahrt nicht für die UP-Fahrt annehmen wollte, blieb uns nichts anderes übrig als die vielen vielen Stufen von der Unterstadt hinauf zu steigen. Mir klingt jetzt noch Michis wiederholtes „Aber JETZT sind wir gleich oben!“ in den Ohren, dass passenderweise immer dann kam, wenn nach der kleinen Biegung die nächste Etappe Stufen auftauchte. Nun, wir haben es schlussendlich doch hinaufgeschafft und uns das Essen doppelt gut schmecken lassen.

Auf unserem Rückweg zur UBahnstation Rato trafen wir noch allerlei Interessantes, wie den cauteleiro, den Losverkäufer auf dem Largo Trindade Coelho bzw. sein Denkmal halt. Es steht für die sich auf dem Platz befindliche Wohltätigkeitsstiftung Santa Casa da Misericordia, welche sich bereits seit Ende des 18.Jht um Bedürftige kümmert und sich seit jeher aus den Erlösen der landesweiten Lotterie finanziert. So steht der Losverkäufer Tag ein, Tag aus auf diesem Platz als Symbol für Menschlichkeit und Sozialität. Gerne hätten wir ihm ein Los abgekauft.

Auch diese Monstertuje (ja es ist eine Tuje!) und der hübsche Brunnen waren uns noch ein Foto wert!



Jeder schöne Tag hat mal ein Ende, jede tolle Reise geht vorbei. Unser letzter Tag in Portugal endete jedoch noch nicht mit der Taxifahrt zum Flughafen, sondern erst nach einer laaangen Wartezeit bis tief in die Nacht am verlassenen Airport – erst dann gings endlich in den Flieger und ab nach Hause.



Adeus, Portugal!

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